Samenspende am Eixendorfer See
Biodiversitätssteigerung durch Mähgutübertragung

Am Montag den 6.7.2020 zeigte Familie Scherr, Landwirte am Eixendorfer See, den interessierten Besuchern, wie von einer artenreichen, naturbelassenen Wiese durch Mahd und Verbringung auf eine weniger artenreiche Fläche, die Vermehrung (quasi die Samenspende) von selten werdenden Pfl anzen möglich ist.

Die Veranstaltung war von Frau Eva Spießl-Mayr und Herrn Balduin Schönberger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) organisiert worden. Sie gehört zum Bündel von Biodiversitäts-, Wasserschutz- und WildtierschutzMaßnahmen und Informationsveranstaltungen, die zusammen mit der
Artenschutzinitiative FORST EIBENSTEIN, den Jagdgenossen des GJR Stockarn und der Pächterfamilie Donhauser am Eixendorfer See erfolgen. Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Herr Schönberger, dass im Oktober der Wild-Wasser-Wanderweg mit den Jagdgenossen, Forst Eibenstein und der Stadt Neunburg realisiert wird und die zu beobachtenden Flächen dabei eingebunden sind. Frau Spießl-Mayr und Herr Schönberger erklärten die Systematik der Mähgutübertragung und die Pflanzen. Wegen der Corona-Vorgaben, durften nur ca 10 Gäste kommen. Unter den Besuchern waren, bis aus der Nähe von Bayreuth und Auerbach Herr Dr. Kilias und Herr Renner, Vertreter des Ordens Silberner Bruch (Unterstützer des Feldhuhnprojekts um Neunburg) vertreten. Herr Stibich,
Herr Trinkmann und Herr Drexler kamen als Vertreter der Stadt Neunburg (Stadtdrat und Biodiviersitätsbeirat), sowie interessierte Landwirte, Jäger der BJV-Kreisgruppe Neunburg und Berufsjäger/Lehrlinge von Forst Eibenstein.

Von einer Wiese am Zufluss des Sees (aus der Gemarkung Stockarn – Landkreis Schwandorf) wurde auf eine andere Wiese (unterhalb des Schwarzwihrbergs) im Landkreis Cham die Samenübertragung vorgenommen. Ein lebendiges Beispiel für den Artenschutz ! Es ging um 8:30 Uhr auf der artenreichen Wiese in Stockarn los. Diese Wiese eignete sich ganz besonders gut für die Mähgutübertragung da diese weit mehr als 12 Kennarten von Pflanzen aufwies. Findet man auf einer Spenderfläche mind. vier, besser mehr dieser Kennarten, so kann die Mähgutübertragung staatlich gefördert werden. Dies ist im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KULAP B40) oder des Vertragsnaturschutzprogramms (VNP H30) möglich. Die besonderen Pflanzenarten auf unserer Fläche waren u.a. der Storchenschnabel, die Glockenblume, die gemeine Margerite, der Wiesenknopf, der Frauenmantel und das echte Labkraut.

Diese Pflanzen sind alle Indikatoren für einen mageren aber dafür artenreichen Grünlandbereich. Eine extensive Bewirtschaftung (max. zweimalige Mahd pro Saison) und möglichst keine Düngung sind dafür Voraussetzung. Solch eine Wiese ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten und andere teils bereits vom Aussterben bedrohte Tierarten. Wichtig für eine Vermehrung über das Saatgut ist der Mähzeitpunkt. Dieser ist im Juli, wenn größtenteils die Blüte der Margerite verblüht ist. Die Wiese wird dann mit einem Traktor sanft (langsam) gemäht. Mit einem Ladewagen wird die Wiese vorsichtig, die Blüten noch mit Samen, aufgesammelt. Dies ist bei leicht feuchtem Wetter optimal möglich. Es war deshalb von Vorteil, dass es an diesem Tag leicht regnete. Das aufgesammelte Mähgut wird nun zur sogenannten Empfängerfläche, die mit nur sehr wenige Kennarten, verbracht und dort ausgebracht.

Das feine Verteilen erfolgte per Hand mit der Mistgabel. Es ist wichtig, dass der Trocknungsprozess durch eine gleichmäßige Wiesenmatte von 3-5 cm entsteht, um keine Fäulnis und eine möglichst breite Verteilung zu erreichen. Später wird mit dem Heuwender die Wiesenmatte duchgearbeitet. Beim Trocknen und Verteilen lösen sich die Samen und fallen in das Saatbett. Nun wird über 1-5 Jahre diese Fläche zu beobachten sein. Nach ca. 3 Jahren sollten sich dabei eine neue biologische Vielfalt mit Pflanzen direkt aus der Region (Nachbarschaft) entwickelt haben. Neben der öffentlichen Demonstrationsfläche wird ein ähnlicher Ansatz
zur Erhöhung der Artenvielfalt durch Einsaat mit Saatgut zum Vergleich angelegt werden.

Herr Schönberger dankte zum Abschluss der Familie Scherr und den Teilnehmern mit dem Hinweis, dass eine Übertragung mit natürlichem Mähgut zwei wesentliche Vorteile hat. Zum einen, sind die Pflanzen direkt aus der Umgebung, d.h. die Anforderungen, die Witterung und Boden stellen werden, sind sehr nah.
Zum anderen, sind die Kosten einer Mähgutübertragung weit aus geringer. Herr Schönberger sagte, „man müsse für den gleichen Effekt, dass nach wenigen Jahren eine artenreiche Fläche entsteht, bei gekauftem Samen mit mehr als dem Doppelten an Kosten für den Landwirt rechnen“. Wenn sich interessierte Öffentlichkeit für diese gemeinschaftliche Maßnahme interessieren, so ist der im Mai kommende Wild-WasserWander-Weg am Eixendorfer See eine sehr gute Möglichkeit sich direkt und an realen Beispielen zu informieren.

Wenn sich Land- und Forstwirte für
eine Mähgutübertragung interessieren und entsprechende Spenderflächen benennen können, so dürfen sie sich bitte direkt an Frau Eva Spießl-Mayr (AELF Cham) und Herrn Balduin Schönberger (AELF Amberg) wenden. Die Jagdpächter und der Bayerische Landesjagdverband unterstützen als aktive Naturschutzorganisation diese Maßnahmen mit aller Kraft und stehen bei der Planung und Umsetzung der Maßnahmen gerne zur Seite. Artenvielfalt und Wildtierschutz geht nur gemeinsam.

Autor: Louis Ehrhardt
(Auszubildender zum Berufsjäger bei Forst Eibenstein, Bund-Bayerischer-Berufsjäger)

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2021-03-18T17:47:29+01:00
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